Posted by: konradbaumgarten | May 29, 2010

Zürcher Kantonspolizist schiesst sich in den Fuss

Schlieren: Kantonspolizist leicht verletzt Ein 39-jähriger Kantonspolizist hat sich am Donnerstagnachmittag (27.05.2010) auf Gemeindegebiet Schlieren mit seiner Dienstwaffe leicht verletzt.

Mehrere Polizisten verhafteten gegen 16’00 Uhr in Schlieren einen Mann, der nach bisherigen Erkenntnissen zuvor eine Drittperson massiv bedroht hatte. Nachdem die Verhaftsaktion beendet war, verstaute der Polizist ausserhalb des Mehrfamilienhauses auf einer Wiese seine Waffe im Holster. Dabei löste sich ein Schuss, durch den der Polizist eine leichte Streifverletzung am rechten Fuss erlitt. Die Verletzung konnte im Spital ambulant behandelt werden.

Der Vorfall zeigt einige Parallelen zu einem Zwischenfall anfangs April 2010 (Medienmitteilung vom 7.4.10). Die Abklärungen sind noch im Gange. In beiden Fällen trugen die Polizisten ein am Oberschenkel anliegendes Holster und der Schuss löste sich beim Versorgen der Waffe. Vor diesem Hintergrund wurden folgende Massnahmen angeordnet:

– Die Umstände, die zum gestrigen (27.05.2010) Zwischenfall geführt haben, werden formell untersucht.
– Die Tragart dieses Holstertyps am Oberschenkel ist ab sofort für alle Mitarbeitenden untersagt.
– Für die Waffenhandhabung bzw. die Holsterung der Waffe werden ergänzende Weisungen erlassen.

Kantonspolizei Zürich
Chef Informationsabteilung / Tel. 044 247 36 36
Marcel Strebel

Man muss sich schon fragen, wie die Zürcher Kantonspolizei ihre Polizisten ausbildet. Das ist nun schon der dritte Zwischenfall dieser Art in diesem Jahr. Man stelle sich nur vor, das würde bei Militärangehörigen passieren, oder gar bei privaten Waffenbesitzern! Der Skandal und der weitere Vorwand zur Entwaffnung der Bürger wären perfekt.

Voraussichtlich geschah es auch diesmal mit einer P30 von Heckler & Koch. Dass nun Oberschenkelholster verboten werden, zeigt meines Erachtens vor allem die Hilflosigkeit der Verantwortlichen: die Ursache solcher Vorfälle liegt vielmehr eindeutig in der mangelhaften Ausbildung, denn ein Schuss löst sich nie einfach so (sollte man offenbar auch mal der Kantonspolizei in Erinnerung rufen, die die obige Mitteilung verfasst hat…), sondern wird von Pistolenhalter selber und aktiv durch Betätigung des Abzugs abgegeben. Dass der verletzte Polizist in diesem Fall die 3. Sicherheitsregel verletzt haben muss, ist offensichtlich. Solche Unfälle mit Waffen  geschehen immer als Verletzung einer der vier Sicherheitsregeln. Hier sind sie deshalb zur Erinnerung (basierend u.a. auf dem Ausbildungsreglement der Schweizer Armee zu Armeepistole und Sturmgewehr, ursprünglich nach Jeff Cooper) :

1. Alle Waffen sind immer als geladen zu betrachten.

Es gibt keine Ausnahmen. Waffen sind keine Spielzeuge. Der Umgang mit Waffen ist konsequent und bedingungslos ernst zu nehmen. Unfälle werden meistens mit vermeintlich ungeladenen Waffen verursacht;

2. Nie eine Waffe auf etwas richten, das man nicht zerstören will.

Die meisten Schiessunfälle sind auf die Nichteinhaltung dieser Regel zurückzuführen. Wenn jemand diese Bestimmung verletzt und darauf aufmerksam gemacht wird, so antwortet er in der Regel: «Meine Waffe ist nicht geladen!» (Alle Waffen sind immer als geladen zu betrachten, Regel 1);

3. Solange die Visiervorrichtung nicht auf das Ziel gerichtet ist, muss der Zeigefinger ausserhalb des Abzugbügels gehalten werden („Finger lang“!).

Eine Waffe hat kein Eigenleben, ein Schuss “löst” sich deshalb nie einfach so. Der Schuss wird vielmehr durch Betätigung des Abzuges abgegeben. Durch einen angeborenen Reflex verkrampft der Mensch in Stresssituationen die Hände. Die Kraft, die dabei ausgeübt wird, kann bis zu 20 kg betragen. Befindet sich der Zeigefinger am Abzug (Abzugswiderstand rund 2,0 kg), kann ungewollt ein Schuss ausgelöst werden. Der Zielvorgang benötigt mehr Zeit, als nur mit dem Zeigefinger an den Abzug zu gelangen. Der Schütze verliert dabei also keine Zeit, dafür gewinnt er an Sicherheit;

4. Sich seines Zieles sicher sein.

Das Ziel ist vor dem Schiessen immer zu identifizieren (Was ist es, wo ist es, was ist dahinter?). Der Schütze muss sich über die Konsequenzen bei Querschlägern, Fehlschüssen und beim Durchschlagen des Zieles im Klaren sein. Er ist für jeden abgegebenen Schuss verantwortlich. Man schiesst daher nicht, wenn man etwa das Ziel aufgrund Dunkelheit nicht sehen kann oder wenn man es mangels Sehhilfen (Brillen) nur ungenügend erkennen kann.


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