Posted by: konradbaumgarten | August 2, 2010

Historischer Kurzrückblick auf das Waffenrecht in der Schweiz

Aus dem Historischen Lexikon der Schweiz:

Das Waffenrecht hat in der Schweiz eine besondere Tradition. Ihm verdankte die Eidgenossenschaft in hohem Masse ihre rechtl. Sonderentwicklung innerhalb des Reichs. Während im übrigen Europa (ohne Skandinavien) die Kriegerkaste des berittenen Adels Fusstruppen bis zum 13. Jh. weitgehend verdrängt hatte, zählte die Eidgenossenschaft vom 14. Jh. an zunehmend auf ihre bewaffnete Bevölkerung, Stadtbürger wie Bauern. Noch im 15. Jh. konkurrenzierten sich das herrschaftl. Aufgebotsrecht der Twingherren und das genossenschaftl. von Städten und Länderorten. Den Städten gelang es, z.T. mit erhebl. Aufwand (z.B. im Twingherrenstreit 1470), die allg. Dienst- und Steuerpflicht auch auf die ländl. Bevölkerung ihrer Territorien auszudehnen, diese zum Krieg aufzubieten und ihrer Waffeninspektion (Harnischschau) unterzuordnen. Während Fürstenstaaten ihren Untertanen W. verboten, waren jene der eidg. Orte ab Ende des 15. Jh. zur Beschaffung eigener W. unter Androhung von Strafe verpflichtet (z.B. Berner Mandat von 1494). Gerade die Volksbewaffnung, verbunden mit Waffen- und Kriegsübung, wurde zum Garanten der eidg. Unabhängigkeit. Nach ländl. Unruhen wurden W. zwar konfisziert, jedoch nach kurzer Zeit wieder zurückgegeben (z.B. Luzern 1655 nach dem Bauernkrieg von 1653). Die Waffenpflicht wurde sogar soweit verschärft, dass z.B. der Staat Bern ab 1712 Ehen nur nach Vorweisen der persönl. Wehr einzusegnen erlaubte.

Das Waffenobligatorium erstreckte sich auch auf das Waffentragen in der Öffentlichkeit, z.B. zu städt. Wehrdienst und Feuerwehr, beim Kirchgang, an Rats- und Gerichtssitzungen sowie zum Handwerksbott (Versammlung aller Meister eines Handwerks). Reste erhielten sich in der obligator. Seitenwehr an Landsgemeinden.

Einheitl. regelte das Erbrecht vom 15./16. Jh. an den Erbgang bei persönl. W.: Zur Sicherung der allg. Wehrbereitschaft erbten Söhne voraus des Vaters Harnisch und Wehr. Fehlten Söhne, so konnten im 16. Jh. z.T. auch Töchter erben. Das 17. Jh. brachte Verschärfungen: So ordnete z.B. Bern 1685 an, dass beim Fehlen von Söhnen die Gem. die W. übernehmen und die Erben entsprechend entschädigen mussten. Generell wurden die Gem. dafür haftbar gemacht, dass W. aus der Gem. hinaus weder vererbt noch verkauft werden durften.

Das moderne schweiz. Waffenrecht bildet den gesetzl. Rahmen für Produktion, Vertrieb, Besitz, Tragen und Gebrauch von W.: Der Bund ist zuständig für die Regelung der Einfuhr, Ausfuhr, Durchfuhr und Herstellung von Kriegsmaterial (Bundesgesetz von 1972). Unter kant. Zuständigkeit fiel bis 1998 die Regelung des gewerbl. Handels mit W. gemäss kant. Konkordat von 1969. Seit April 1998 gilt ein verschärftes, erstmals gesamtschweiz. Waffengesetz, das den Erwerb grundsätzl. von einem Waffenerwerbsschein, das Tragen von einer Waffentragbewilligung abhängig macht und weitere Bestimmungen zur Absicherung vor missbräuchl. Waffenbesitz enthält. Nicht unter das Waffengesetz fallen vor 1890 produzierte Hand- und Faustfeuerwaffen, vor 1900 hergestellte Hieb- und Stichwaffen (antike W.) sowie W., für die keine Munition mehr im öffentl. Handel erhältl. ist bzw. nicht mehr hergestellt wird.

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler, Fritz Häusler

Danke an R.B.


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