Posted by: konradbaumgarten | June 22, 2017

Morgarten: Toujours tricher, toujours gagner

Diese Rede, die der damalige Verteidigungsminister Ueli Maurer vor zwei Jahren anlässlich des Jubiläumsfests „700 Jahre Schlacht am Morgarten“ vom 21. Juni 2015 beim Morgarten-Denkmal gehalten hat, ist etwas vom Feinsten, das ein Schweizer Politiker in letzter Zeit von sich gegeben hat:

(…) Wer einem Volk die Geschichte nimmt, der nimmt ihm die Identität. Wer ihm die Identität nimmt, der nimmt ihm die Werte. Und ein Volk ohne Werte, das wird manipulierbar, denn es fehlt ihm der Kompass. Dazu gibt es Beispiele auch aus der jüngeren Geschichte, wo Völkern bewusst die Geschichte genommen wurde, um sie manipulieren zu können.

(…)

Bei uns ist die Freiheit zum Staatsprinzip geworden, das uns alle eint. Ob Land oder Stadt, ob Deutschschweiz, Romandie oder Tessin. Und das Wichtigste: Das Volk ist der Souverän, also die höchste Instanz. Die Bürger haben das letzte Wort. Volksentscheide gelten – müssen gelten, auch wenn das vielleicht der Regierung oder andern Staaten nicht passt.

Mit diesen Staatsgrundsätzen sind wir weiterhin ein Sonderfall; mir wird das immer wieder bewusst, wenn ich ausländische Minister treffe, die ein ganz anderes Staatsverständnis haben. Geschichte prägt – und dass sie uns Schweizer freiheitsliebend und obrigkeitskritisch geprägt hat, das finde ich wunderbar. Darauf dürfen wir ruhig auch ein wenig stolz sein.

(…)

Darum ist das heute verbreitete Schlagwort von den gleich langen Spiessen ein Unsinn. Wir brauchen nicht gleich lange Spiesse; mit gleich langen Spiessen verlieren wir. Einfach weil die andern fast immer grösser sind und mehr Ressourcen haben.

Ein kleines Land kann nur bestehen, wenn es anders ist, wenn es aus seinen Eigenheiten besondere Stärken macht. Wir haben nur eine Chance, wenn wir kreativer, flexibler und besser sind.

Morgarten ist damit eine höchst aktuelle Lektion der Geschichte: Die ritterlichen Regeln der Kriegsführung nennen die mächtigen Staaten heute Rechtsharmonisierung oder „level playing field“. Damit wird die Schweiz unter Druck gesetzt, nach den Regeln der andern zu spielen, nach denen wir nur verlieren und die andern nur gewinnen können. (…)

Die Schlacht am Morgarten nach einer Illustration in der Tschachtlanchronik, 1483

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